Verleihung des Literaturpreises der EU in Brüssel an Tullio Forgiarini
“Der Preis kann sich in der Vitrine sehen lassen”, Tullio Forgiarini lächelt etwas verschmitzt, hält die gläserne Auszeichnung im Arm, nimmt Glückwünsche auf Englisch, Französisch und Lëtzebuergesch entgegen und fachsimpelt mit Berufskollegen aus Belgien, Finnland und Spanien. Dieser Abend ist international – und Luxemburg ist mittendrin. Vor wenigen Minuten stand der 1966 in Neudorf geborene Autor im Brüsseler “Concert Noble” noch auf der großen Bühne. In einem Filmtrailer hat er seine Erzählung über das Labyrinth des Erwachsenwerdens vorgestellt und anschließend den über 300 Gästen live einen Abschnitt vorgelesen. Auf Luxemburgisch natürlich, mit englischer Übersetzung auf der Leinwand im Hintergrund.
Doch was ist eigentlich der Literaturpreis der Europäischen Union? Seit 2009 wird die Auszeichnung jährlich von der Europäischen Kommission zusammen mit dem Europäischen Buchhändlerverband, dem Europäischen Schriftstellerverband und dem Europäischen Verlegerverband organisiert. Roadmovies auf Dänisch oder Geschichten mit Mystery-Faktor in rumänischer Sprache: der Preis nimmt mit auf eine Reise mitten in die Seele Europas. In einem Dreijahreszyklus stehen dabei immer andere Länder im Mittelpunkt.
Die Auswahl der Gewinner legen die Veranstalter in die Hände von nationalen Jurys. Für Luxemburg bestand sie diesmal aus Georges Hausemer (Schriftsteller), Anne Diderich (Buchhandlung Diderich), Jeanne Glesener (Universität Luxemburg), Claude Conter (Centre National de Littérature) und Ian de Toffoi (Literaturkritiker). Pro Laureat ist der Preis mit 5000 Euro dotiert, zudem können Zuschüsse für Übersetzungen beantragt werden. Das Ziel: Die gekürten Werke sollen Grenzen überwinden, Absatzmärkte im Ausland finden – und so noch mehr Leser inspirieren.
Die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger auf einem Blick:
Isabelle Wéry (Belgien), Faruk Šehić (Bosnien und Herzegowina), Kristian Bang Foss (Dänemark), Marica Bodrožić (Deutschland), Lidija Dimkovska (ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien), Meelis Friedenthal (Estland), Katri Lipson (Finnland), Tullio Forgiarini (Luxemburg), Ioana Pârvulescu (Rumänien), Gabriela Babnik (Slowenien) Cristian Crusat (Spanien) und Emilios Solomou (Zypern).
www.euprizeliterature.eu