In wenigen Tagen erscheint im Verlag Guy Binsfeld das neue Buch von Georges Hausemer, der Erzählungsband "Con Dao". Wir haben die Gelegenheit genutzt, den Autor über den Inhalt und vor allem den ungewöhnlichen Titel seines neuesten Werks zu befragen.
In diesen Tagen erscheint Ihr neues Buch, eine Sammlung mit Erzählungen,
die sich "Con Dao" nennt – ein rätselhafter Buchtitel! Was bedeutet er?
Con Dao ist der Name eines kleinen Archipels vor der Küste Südvietnams. Im 19. und 20. Jahrhundert war diese entlegene Inselgruppe ein für Besucher verbotenes Gefangenenlager, in das während der französischen Kolonialherrschaft und der amerikanischen Invasion Regimegegner verbannt wurden. Die berüchtigten "Tigerkäfige", von den Franzosen nach 1940 erbaute Einzelzellen, können heute auch von Touristen besichtigt werden.
Warum wählten Sie ausgerechnet diesen Titel für Ihr neues Buch?
Eine der in dem Buch erzählten Geschichten spielt auf einer der Con Dao-Inseln. Aber es ging mir in erster Linie nicht um den konkreten geographischen Bezug, sondern um eine gewisse Atmosphäre, die ich mit dieser Ortsbezeichnung verbinde und die sich durch das ganze Buch zieht. Dabei beschränkt sich diese thematische Grundstimmung nicht nur auf den asiatischen Kontinent.
Sondern?
Nun, die 19 Erzählungen dieses Buches spielen auf mehreren Kontinenten, sowohl in Asien als auch beispielsweise in Südamerika, in der Karibik, in Westafrika und ebenfalls in Europa, wenn auch eher an den äußersten Rändern Europas. Genau diese Ränder sind es, die mich interessieren: Grenzregionen, abgelegene Gegenden, Endpunkte. Und die Erfahrungen, die man an solchen Orten macht: die Verlorenheit in der Fremde, das Ausgeliefertsein im Unbekannten, die Hilflosigkeit vor dem Anderen. Fast alle Personen werden in diesen Geschichten mit einer Mischung aus Hitze und Feuchtigkeit, mit dem Zusammenspiel von unbekannten Düften und undefinierbaren Geräuschen konfrontiert und müssen sich, in elementare Situationen zurückgeworfen, in unerwarteten Lebensmomenten bewähren.
Bei den Erzählungen handelt es sich also nicht um Reisegeschichten?
Nun, die Geschichten sind mehr oder weniger genau verortet, oft sogar in exotischem Umfeld, aber die Handlungen entspringen der Phantasie des Autors, auch wenn, wie so häufig in der Literatur, tatsächlich Erlebtes, Erfahrenes in der Fiktion mitverarbeitet wird. Aber eins ist ganz klar: Dies sind keine journalistischen Arbeiten, sondern literarische Texte vor – mehr oder weniger – realistischen Hintergründen.